Auf in den Süden….

04. November Beaufort NC

Seit heute sind wir mit der PASSAT II wieder im Wasser und ankern vor Beaufort NC. Eine lange Nacht wird es nicht. Morgenfrüh steht der lange Schlag nach Wrightsville Beach auf dem Plan. Es wird Zeit, dass wir nach Süden kommen. Die ersten Nordwinde wehen schon mit ziemlich frischen Temperaturen. Um 06 Uhr heißt es “Anker auf” in die aufgehende Sonne und raus auf den Atlantik. Es ist angenehm mit Wind von NO, der Swell ist gering. Es läuft gut und wir kommen gerade noch in der Dämmerung an. Der Ankerplatz in Wrightsville Beach ist sehr gut geschützt und hat ein tolles Dinghy Dock wo an Schwimmstegen „for free“ angelegt werden kann. Wir genießen die Nähe zum Strand und die guten Einkaufsmöglichkeiten.

Am übernächsten Morgen müssen wir im Intracostal Waterway (ICW) einen kleinen Schritt weiter bevor die Etappen mit den Brücken schier unsere letzten Nerven kosten wird. Snows Cut, Oak Island Bridge, Holden Bridge, Sunset Beach Bridge, Conway Bypass Twin Bridge, North Myrtle Beach Connector Bridge und viele weitere Brücken, ingesamt 22, müssen wir bis Charleston passieren. Jede in etwa so hoch wie unser Mast, aber nur bei günstigem Wasserstand, also Ebbe. Manche sind aber so knapp, dass sich die VHF Antenne auf dem Mast im rechten Winkel biegt und einem das Herz in die Hose rutscht. Die Tide/Gezeit von Ebbe und Flut bestimmt ab jetzt unsere Reise bis nach Florida.

Alle Brücken sollten mindestens 65 fuß bei mittlerem Hochwasser messen. Aber mit der Zeit setzen sich einige oder wurden etwas weniger hoch gebaut. Warum auch immer, wir brauchen mindestens 66 fuß um die Antenne zu schonen. Ehrliche 65 reichen um das Toplicht zu schützen, weniger geht gar nicht!

Die sogenannten „Tidal Bords“ in Wasserhöhe montiert geben eine Richtline. Sie kann stimmen, oder auch nicht…..

Der Waccamaw River ist beeindruckend und wohl einer der schönsten Teilstücke des ICW. Und genau da treffen wir auf einen Motor Katamaran mit dem Namen BODENSEE! Stuttgarter, die vor vielen Jahren nach Kanada ausgewandert sind, begrüßen uns mit einem breiten Grinsen und ebenso breiten schwäbischen Akzent. Es wird ein sehr netter Abend und sie erzählen, dass sie seit Jahren jeden Winter den ICW nach Süden hinunter fahren. Immer dem angenehmen Klima nach. Drei wundervolle Tage folgen, teils durch unberührte Natur. Wir sehen Weißkopfadler, Reiher und Aligatoren bis wir in Charleston SC ankommen.

Charleston SC ist sehr schön, gefällt durch die wunderbaren Süd-staatenhäuser. Wir ziehen mit großen Augen durch die Straßen mit tollen Geschäften und eben nicht, wie es sich gehört, mit den Augen auf die Straße, wie Ellen leidvoll erleben muss….Sie knickt um, der bohrende Schmerz und der Kreislauf zwingen Sie in die Knie. Supinationstrauma mit Bilderbuch Hämaton unter dem rechten Knöchel.

Für solche Fälle ist an Bord vorgesorgt und nach Kühlung und Kompression zückt der Kapitän eine Sprungelenksorthese aus dem „Boots-Sanitätshaus“. Das Klappfahrrad wird ebenfalls reaktiviert und somit ist Charleston SC für Ellen halbwegs gerettet.

Der Ankergrund gilt in Teilen als unrein und bis zum Ankeraufgehen, war ich der Meinung diesen Platz doch inzwischen einigermaßen gut zu kennen. Fehleinschätzung……wir bekommen den Anker nach vielen Versuchen nur sehr schwer an die Wasseroberfläche und stellen mit Entsetzen einen üblen Ankersalat fest. Mit rießen Glück können wir an der nahen Marina anlegen und auch kurzfristig einen Taucher finden und beauftragen. Der freundliche Mann machte uns nicht viel Hoffnung. Nach einer guten Stunde Schwerstarbeit erleichterte er uns um drei Fremdanker, verschiedenen Ketten, alten Trossen und 220 Dollar.

Mit vier Stunden Verspätung legten wir gegen Mittag „erleichtert“ ab und segelten mit Nordwind und ordentlichen Wellen über Nacht nach St. Augustine FL.

Das Inlet von St. Augustine ist wegen der massiven Grundseen berühmt berüchtigt und ich hatte es schon vier mal passiert. Zweimal knapp überlebt und zweimal easy going…..Mein Anruf beim Dockmaster: „The Inlet is well marked and in good shape“ lässt hoffen, wir haben eine Dünung von 1,5 mtr. und ablaufendes Wasser. Mit weichen Knien sind wir einem anderen Katamaran hinterher gefahren. Es kam schlimmer, als befürchtet! Keine Marker, extrem steile Welle durch Ebben gegen Dünung, links brechende See auf Felsen, rechts brechende See auf Sand und 3 Knoten Strom gegen an….Holy Moly! Ich schwörs, mach ich nie wieder…!

St. Augustine war wieder einen Besuch wert und wir genossen die Zeit dort sehr. Aber wir wollen weiter, der Wetterbericht treibt uns an. Noch einmal aussen herum bis zum Ponce Inlet, dann ICW bis Cape Canaveral, durch die Schleuse, wieder aussen bis Port Pierce….so der Plan für die nächsten 3-4 Tage.

Außen herum kämpften wir mit Inlets, Dünung, Wind und Welle, im ICW mit den Brücken und Motorbooten. Aber alles läuft gut und wir kommen am 29.11. zum Sonnenuntergang in Fort Pierce an.

Jetzt ist es nicht mehr weit bis zu unser letzten Destination in Florida, North Palm Beach.

Im Indian River noch eine Übernachtung, am Peck Lake vorbei, durch Jupiter dann links abbiegen und wir erreichen unser Ziel North Palm Beach. Hier können wir uns verproviantieren, den für die Bahamas geforderten PCR Test absolvieren und letzte Arbeiten erledigen für die nicht ganz einfache Überfahrt zu den Bahamas.

Der nach Norden setzende Golfstrom kann mit über 3 Knoten das Segeln überaus unangenehm und bei Nordwind sehr gefährlich machen. Wir lassendes Zeit und warten auf das geeignete Wetterfenster…..nächste Woche, so um den 10. Dezember könnte es soweit sein…..(-:


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