Exit Kuba

In Europa überschlagen sich derweil die Ereignisse in Folge der Corona Krise. Jupp sagte seinen Besuch ab und wir beschloßen kurzerhand die Anreise durch meinen Sohn Tobias mit seiner Freundin Amelie zur Unterstützung für die PASSAT II. Besser auf dem Boot lernen und nebenbei die Tropen genießen als zu Hause im Trüben fischen.

Schöner geht nicht…..

Ellen flog nach Hause und die beiden Youngsters reisten an. Wir hatten in Kuba ein gutes Gefühl, exportieren sie ja medizinisches Personal in die halbe Welt. Nach dem Fiebermessen durch den Marina Arzt und einigen Einkäufen ging es zurück nach Cayo Largo del Sur. Inzwischen riegelt die halbe Welt ab und wir waren froh hier zu sein. Geradezu paradiesisch, die Touristen wurden immer weniger und zum Schluss waren wir nur noch eine Handvoll Yachten im gesamten Archipel.

Doch jetzt kams auch hier ziemlich dicke… Alle Skipper wurden informiert, dass die Insel komplett evakuiert wird. Wir wurden angewiesen zum Festland zurück zu segeln. Nach heftigen Diskussionen mit dem Dockmaster, der Guardia Frontera und der Polizei konnten wir uns vorerst durchsetzen. Wir blieben in der schönen Bucht und planten einige Aktivitäten für die nächsten Tage mit unseren Buddy Booten BAZO und Madgicboat.
Wir sind alle Autark und haben Lebensmittel für mindestens 6 Wochen. Wir produzieren unseren eigenen Strom aus den Solarzellen und gewinnen eigenes Wasser aus unsere Entsalzungsanlage. Und das an einem der schönsten Strände (Playa Sirena) der Welt. So sieht Langfahrt Quarantäne aus……(-:
Am folgenden Tag bekamen wir alle eine Auffrischung von Vincent, einem Seadoc unter den Seglern. Wir alle durften ein wenig einspritzen und klaffende Wunden mit Nadel und Faden nähen.

Danach trafen wir uns am Strand und spielten, wie fast jeden Tag, Beachfußball. Ja, ein wenig Sport vor dem Sundowner muss schon sein.

Auch höchst interessant, die Einweisung zum Harpunieren (Speerfishing) von Shay. Auch für unsere nicht Fischesser sehr kurzweilig. Ich hatte ein Equipment an Bord, aber keine Ahnung wie man es richtig benützt. Der Erfolg stellte sich nach Shays Unterricht recht schnell ein und der erste Lobster, nebst Grooper lies nicht lange auf sich warten. Am Abend gab es Fischbuffet auf der BAZO. Übrigens ein recht neuer und schicker Katamaran von Nautitech.

Am nächsten Tag war das Riff mit den großen Tieren dran. Anfangs lief es nicht schlecht, aber plötzlich tauchte ein richtig großer und ziemlich nervöser (Bullen-) Hai auf, der Kopf ging ständig hin und her… er beschnupperte uns. Normal sind Haie nichts Gefährliches, aber hier stimmte etwas nicht! Wo sind die anderen? Aus dem Augenwinkel bemerkte ich, dass Vincent seinen harpunierten Fang verloren hat und der Hai witterte das natürlich…nichts schlimmer als dass! Wieselflink waren sogar die Profis wieder im Dinghy. Haie und Fischblut sind unkalkulierbar, deshalb die Regel, den Fang immer über Wasser zum Beiboot bringen. Lektion gelernt! Genug der Aufregung, wir segelten zurück an unseren Ankerplatz. Am Abend gab‘s gegrilltes aus dem Meer.

Und so vergingen die Tage mit Unterricht am Vormittag, Sport am Nachmittag und Mojitos am Abend.

Plötzlich ging es recht schnell! Wir durften nicht mehr in die Marina und hatten somit keinen Zugang mehr zum Internet mehr. Militär, Polizei und die Guardia Fronteria rückten impossant an und wir mussten versprechen am nächsten Tag entweder die Hemingway Marina anzulaufen oder zurück nach Cienfuego zu segeln. Nach Rücksprache mit den Müttern, war klar, wir segeln zurück nach Cienfuego von wo aus Amelie und Tobias wieder nach Deutschland zurückfliegen können. BAZO bog in Richtung Havanna ab und MADGICBOAT segelte vorerst in unsere Richtung.

In Cienfuego angekommen erklärte man uns, dass ich mit dem Boot das Land verlassen muß…jetzt sofort! Diesel und Lebensmittel gerne aber bitte raus aus Kuba……Nach Rücksprache mit der Botschaft flog Amelie mit einem „Rückhol Flieger“ für gestrandete nach Hause. Tobias blieb zum Glück, um mit mir das Schiff in ein Land zu bringen das noch offen ist und für die kommende Hurrikane Saison in Frage kommt. Es blieben bedingt Mexico und Panama oder aber zurück in die USA. Für die Vereinigten Staaten haben Tobias und ich ein gültiges Visum und das Boot eine aktuelle sogenannte Cruising License. Das sollte klappen. 600 Seemeilen zurück…und dazu noch durch den Yucatan Kanal und die Straße von Florida. Wetter egal Hauptsache wir kommen rein bevor die Staaten die Grenzen auch noch schließen…alles nicht immer so einfach.
Am Sonntag den 29. März 2020 um 05:00 Uhr legten wir ab und wurden noch vom Militär aus der Bucht begleitet. 600 Seemeilen….jetzt sind wir sehr froh über unser Iridium Sateliten Equipment. Wir stehen ab sofort im ständigen Kontakt per Mail mit unserem “back office” zu Hause. Ellen und Theresa checkten permanent die Einreisebedingungen ab und hielten uns mehrmals täglich auf dem laufenden. Ebenso haben wir Kontakt zu Freunden auf den Bahamas,
Irgendwie herrscht plötzlich Endzeitstimmung. Dabei war dieser himmlische Ort perfekt für ein paar Monate Quarantäne.

img_4855
Traumhafter Ankerplatz in Cayo Largo

Die Windvorhersage war miserabel, kein Wind weit und breit. Anfangs lief es noch ganz gut aber ab Sonnenuntergang ging nichts mehr. Wir mussten sparsam Motoren und liefen im Durschschnitt nur 4,3 Knoten. Dafür hielt sich der Diesel-Durst mit knapp unter 2 Litern in Grenzen. Tobias und ich wechselten uns regelmäßig ab und ich war sehr froh, dass er geblieben ist und mich begleitet. Am Dienstag den 31. März rundeten wir das Cabo de san Antonio, das westliche Kap von Kuba. Die Stimmung ist gut, es gibt Pfannkuchen….(-:

img_5037
Der Wind lässt nach, wir motoren in die Nacht hinein

Und es wird nicht langweilig. Ich wundere mich seit gestern über Wasser in der Bilge, dachte es ist wieder mal die Toilettenspülung. Aber als ich die Marmelade für die Pfannkuchen suchte, endecke ich den Ursprung. Der Druckwasserbehälter ist durchgerostet und tropft ganz ordentlich….hab Ihn vor 2 Jahren extra tauschen lassen damit es keine Probleme gibt. Na ja, hab die Leitung überbrückt, geht auch so, ist aber schon eine sch….Arbeit im engen Raum unter den Sitzen. Eigentlich sollte man alle Bootskonstrukteure mindestens 12 Monate auf einem Boot einsperren, damit Sie am eigen Leib verspüren was sie sich da alles ausdenken!!

Es naht eine Kaltfront mit etwas Wind um die 20 – 30 kn. braucht eigentlich keiner der die Straits of Florida von Süd nach Nord überqueren möchte! Wir aber müssen und planen mit dem jetzigen Westwind soweit wie möglich nach Norden zu segeln um dann mit der Kaltfront Ost zu machen. Guter Plan, einziger Hacken, der Wind dreht immer weiter im Uhrzeigersinn und kommt dann irgendwann auch aus östlicher Richtung.  Ok, irgendwie müssen wir jetzt da durch.

Am 2. April Morgens, nach langer Nacht gegen Wind und Welle mit viel zu viel Tuch und oft über 8-9 Kn speed, kommen wir in der 3 Meilen Zone um Key West an.

Weiter haben sie uns nicht gelassen. Plötzlich tauchen 2 Schnellboote der Coast Guard mit full speed und Blaulicht auf und stoppten uns. Ruckzuck standen zwei bis an die Zähne ausgerüstete Officers bei uns an Deck. Nach einer ersten Befragung wer, woher, und wohin wird das Schiff komplett durchsucht. Ich möchte aber hinzufügen, alles super freundlich! Dank unserer B1/2 Visas und der Cruising License werden wir vorerst in die USA reingelassen. Das letzte Wort hat nun aber die U.S. Customs and Border Protection!

Wir laufen in Key West ein und suchen verzweifelt das Büro der CBP. Alles hat zu und wir müssen letztendlich zum Flughafen wo wir endlich unseren Einreisestempel bekommen……Geschafft!!

Eine wilde Woche liegt hinter uns, wir sind fix und fertig und wollen nur noch schlafen……Morgen soll es weiter gehen nach Fort Lauderdale, dort liegt auch BAZO und dann sehen wir weiter.

img_5108-1
Florida hat mitunter ganz nette Anwesen.
e4f2e4f6-9d28-4b76-b39d-921949a4e827
Die BAZO in Fort Lauderdale, kurz vor unserem Abschied.
img_5172
Tobias musste mal wieder in den Mast…..
img_5212
Wir gehen einkaufen….mit Maske! Hoffentlich schießen die nicht gleich auf uns….(-:
img_5214
Endlich wieder ein gut sortierter Supermarkt…wo es auch wieder ungesunde Dinge zu kaufen gibt!

2 thoughts on “Exit Kuba

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s